Umsonst

Als vertretende Assistenz für die Bereichsleitung wandert eine Rechnung von 10.500 Euro Beratungshonorar über meinen Tisch. Auf Nachfrage erfahre ich, dass es um die Optimierung der Prozesse zwischen den drei Unterabteilungen ging, für die ich ebenfalls lange tätig war. Ich bin interessiert an den Ergebnissen, denn auch ich sehe Potential in der Verbesserung der Abläufe.

Die Beratung ergab nicht das erhoffte Ergebnis, erfahre ich und welche Ideen ich hätte, möchte der Bereichsleiter wissen. Ich fasse in 45 Minuten meine Vorschläge schriftlich zusammen und reiche sie ein. Sie werden erfolgreich umgesetzt und in meinem Arbeitszeugnis lobend erwähnt.

Als ich mich nach dem Studium um eine ausgeschriebene Projektmanagementstelle beim Bereichsleiter bewerbe, erhalte ich eine Absage. Durch interne Quellen, zu denen ich noch Kontakt pflege, erfahre ich, dass es für ihn okay wäre, wenn ich weiterhin unter ihm arbeite, aber nicht in einer Position, die eher Augenhöhe zwischen ihm und mir voraussetzt.

© Serap Yıldırım / 2021

Beitragsbild: NordWood Themes on Unsplash

16 Kommentare

    1. mynewperspective

      Liebe Sabine,
      ja, leider ist das ein häufiges Muster. Haben z. B. Männer und Frauen den gleichen Abschluss, sieht man die Herren häufiger als Manager und die Damen als die Assistenten. Noch schwieriger wird es, wenn Männer einen geringeren Abschluss haben, als die Frauen und meinen, ihre Position gegenüber den Frauen noch stärker verteidigen zu müssen. Auch noch in diesem Jahrtausend. Leider!
      Herzliche Grüße
      Serap

      Gefällt 4 Personen

          1. Benita Wiese (Pseudonym)

            Liebe Serap,
            gibt es bei euch keine Gleichbehandlungsanwaltschaft? Das wäre ein klarer Auftrag an diese Stelle. Obwohl es freilich unangenehm wäre den Job auf diese Weise zu erstreiten. Danach wäre das Betriebsklima vermutlich vergiftet. Dennoch sollte es nicht unbeachtet bleiben in dieser Firma.
            Herzliche Grüße
            „Benita“

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          2. mynewperspective

            Liebe Benita,
            es gibt genügend Anlaufstellen und auch Beauftragte, die sich um derartige Angelegenheiten kümmern. Das setzt aber auch voraus, dass man tatsächlich weiß, dass man auf irgendeine Art und Weise diskriminiert wurde. Die Gründe einer Absage zur Stellenausschreibung erfährt man meistens ja nicht oder nur „verschönt“. In diesem Fall habe ich es über ein Jahr später erfahren und das auch nur, weil es mir eine ehemalige Kollegin erzählt hat. Sie hätte es aber sicherlich auch nicht öffentlich zugegeben, um nicht ihren eigenen Job zu verlieren. Recht haben und Recht bekommen sind leider ebenfalls zweierlei. Ob ich für diesen Menschen auch tatsächlich hätte arbeiten wollen, nachdem ich das erfahren habe, ist auch noch eine ganz andere Sache.
            Herzliche Grüße
            Serap

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          3. Benita Wiese (Pseudonym)

            Wie wahr, liebe Serap, Recht haben und Recht bekommen sind ganz unterschiedliche Paar Schuhe. Und natürlich wer wollte dort dann auch arbeiten, das ist verständlich. …. Bloß wie können sich solche Zustände ändern? Die Anlaufstellen bzw. die gesetzlichen Möglichkeit einer Verbesserung erscheinen zahnlos angesichts der Problematik Diskriminierung Einhalt zu gebieten. Das war unser Gedanke.
            Alles Liebe
            „Benita“

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          4. mynewperspective

            Derartige Anlaufstellen sind natürlich wichtig und sinnvoll, aber Schlupflöcher wird es immer wieder geben. Trotzdem werden wir alle unseren Weg finden – früher oder später. Was uns nicht umhaut, wird uns noch stärker machen. Davon bin ich überzeugt.
            Seid ganz herzlich gegrüßt
            Serap

            Gefällt 1 Person

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