Der Empfang

Mein vierter Arbeitstag. Am Empfang sitzt eine andere Person als die Tage zuvor. Ich gehe lächelnd auf den Herren zu, um mich vorzustellen.

„Wir kennen uns noch nicht“, strahle ich ihn an.

„Ja genau, wer sind Sie?“ fragt er mich eher schroff.

„Mein Name ist Yıldırım“, antworte ich etwas verwirrt über den unterkühlten Ton.

„Die Küche ist im anderen Gebäude.“

„Welche Küche?“ frage ich verwirrt.

„Wo wollen Sie hin?“

Ich brauche kurz um zu verstehen, was hier passiert.

„Ich bin die neue Mitarbeiterin im Vertrieb“, antworte ich nun sachlich trocken.

„Ach so“, erwidert er desinteressiert und schaut wieder in seine Zeitung.

Als ich zwei Jahre später in dem Unternehmen für die Geschäftsführung zu arbeiten beginne, kommt mir zu Ohren, dass der Empfangsmitarbeiter seinem Kollegen erzählt, sich nun wohl meinen Namen merken zu müssen. Ich scheine ja doch „Jemand“ zu sein.

© Serap Yıldırım / 2021

Beitragsbild: Random Institute on Unsplash

12 Kommentare

  1. abenteuer50

    Liebe Serap deine Beiträge sprechen viel von nicht Akzeptanz und Anerkennung . Hast du solche schlimmen Erfahrungen die ganze Zeit gemacht ? Ich schätze dich als sehr selbstbewusst ein und kann garnicht so recht verstehen , dass du das so an dich ran lässt ?
    Liebe Grüße Mona

    Gefällt 2 Personen

    1. mynewperspective

      Liebe Mona,
      konfrontiert bin ich mit dem Thema schon seit meiner Einschulung. Auch heute noch. Ob ich es an mich ranlasse? Kommt darauf an, was Du damit meinst. Mittlerweile (und schon lange nicht mehr) nehme ich mir derartiges gar nicht zu Herzen und ignoriere es, das bedeutet aber nicht, dass es in meinem Leben nicht vorkommt. Das was ich auf dem Blog teile, sind nur die „interessanteren Geschichten“. Über die Alltagsdiskriminierung schreibe ich gar nicht. Das wäre mir zu langweilig.
      Herzliche Grüße
      Serap

      Gefällt 6 Personen

    1. mynewperspective

      Liebe Sabine,
      über „Diskriminierungen bessern“ musste ich schmunzeln. Natürlich weiß ich, was Du meinst. So pauschal ist diese Frage sicherlich nicht zu beantworten, auch für mich als Individuum nicht. Diskriminierung hat sehr viele Gesichter. Auch eine positive Diskriminierung ist und bleibt eine Diskriminierung. Früher (zur Schulzeit) dachte ich, dass es an der Bildung der Menschen liegt. Aber auch als ich später in den akademischen Kreisen war, änderte sich nur die Wortwahl. Ja, die Welt ändert sich und die nachfolgenden Generationen sind sicherlich etwas anders gestrickt, ich erlebe häufig noch so vieles, dass ich (für mich persönlich) nicht behaupten kann, dass es weniger wird, aber es „versteckt“ sich besser, dass fällt mir persönlich auf.
      Herzliche Grüße
      Serap

      Gefällt 4 Personen

      1. Spinnradl-Sabine

        Schön dass du schmunzeln konntest – danke dir 😊
        Irgendwie fühle ich mich unbeholfen, was dieses Thema anbelangt; vielleicht lese ich genau deshalb gern bei dir – du gehst das offensiv an, und das hilft mir beim Nachdenken.
        Ich bin mal mit einem Farbigen ins Gespräch gekommen und weil er so offen war, hab ich ihn darauf angesprochen. Er sagte mir, dass er sich bei den Leuten unbehaglich fühlt, die extra nett sind. Das hätte dann mit ‚Ehrlichkeit‘ auch nicht viel zu tun.
        Liebe Grüße
        Sabine aus dem 🕷 🕸

        Gefällt 2 Personen

        1. mynewperspective

          Es freut mich, wenn ich durch meine Beiträge zum Nachdenken anregen kann. Genau deshalb teile ich diese auch, ohne werten zu wollen.
          Das das Thema schwierig und sensibel ist, wird wohl immer so bleiben. Wir alle können aber unseren Beitrag dazu leisten, immer besser damit umzugehen. Im Zuge der gegenseitigen Wertschätzung möchte ich an dieser Stelle deshalb darauf hinweisen, dass der Begriff „Farbige“ eine negative Besetzung aus der Kolonialzeit mit sich bringt und der Begriff „Schwarz“, „Schwarze Menschen“, „Schwarze(r)“ der selbst gewählte Ausdruck dieser Menschen für sich ist. Das musste ich auch vor einigen Jahren lernen. Ich persönlich empfinde „People/Person of Color“ einen passenden Begriff. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren, auch wenn ich im Winter doch eher käseweiß bin. 😊

          Gefällt 2 Personen

          1. mynewperspective

            Die Zeit hat sich geändert. Auch ist es, glaube ich, ein Unterschied, ob jemand sich selbst so bezeichnet, sie selbst sich untereinander so bezeichnen oder eine nicht Schwarze Person eine Schwarze Person so bezeichnet. Einfach ist es nicht. 😉

            Gefällt 1 Person

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