Verhängnisvolle Vergangenheit

Geschichte lieber von mir vorlesen lassen? Dann bitte Play-Button drücken.


Es ist ein Wochentag. Eine fast zweistündige Busfahrt liegt hinter mir. Meine Freundin, mit der ich den Nachmittag verbringen möchte, holt mich von Busbahnhof ab. Wir beide lernten uns durch gemeinsame Freunde kennen und verstanden uns auf Anhieb. Die Zeit die ich mit ihr verbringe ist sehr fruchtbar. An Themen fehlt es uns nie und unsere Gespräche dauern manchmal den ganzen Tag über die Nacht bis in die Morgenstunden. Heute wird es nicht anders sein, doch heute werde ich etwas erfahren, was mich noch mehr zum denken anregt, als es unsere Gespräche sonst tun.

Auf dem Weg zu ihr nach Hause, fahren wir ein wenig durch die Stadt, an Geschäften und Cafés vorbei. Die Freundin zeigt mir, wo es die coolsten Läden gibt. Eine Dame überquert die Straße als wir in ihre Richtung fahren.

„Ah, Mary Lee“, spricht meine Freundin, die die Straße überquerende Dame wohl zu kennen scheint.

„Eine Freundin von Dir?“, frage ich.

„Die Mutter von Tom Cruise“, antwortet sie.

„Ah“, wundere ich mich. „Ich wusste nicht, dass sie so bekannt ist, dass man sie auf Anhieb auf der Straße erkennen kann. … Witzig, dass Du sie beim Vornamen nennst.“

Die Freundin wirft mir einen kurzen fragenden Blick zu und richtet ihren Blick dann weiterhin auf die Fahrbahn.

„Weißt Du es nicht?“ fragt sie mich zögerlich.

„Weiß ich was nicht?“ frage ich zurück.

„Ich dachte, Du wüsstest es. … Ich dachte, unsere gemeinsamen Freunde hätten es Dir erzählt.“ Sie pausiert für einen ganz kurzen Moment. „Ich dachte, Du wüsstest es und es würde Dir nichts ausmachen“, fügt sie nun etwas nachdenklich hinzu.

Die verwirrende Stille, die kurz zwischen uns beiden im Auto herrscht unterbreche ich mit: „Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon Du gerade sprichst.“

„Ich war auch einmal eine von denen. Ich gehörte dazu.“

Wozu soll sie denn gehört haben? frage ich mich innerlich selbst und versuche die Puzzlestücke nun in meinem Kopf schnell zusammenzulegen.

„Wozu?“ frage ich und genau in diesem Moment fällt auch der Groschen … „Scientology?“.

„Ja, …. ich dachte, Du wüsstest es.“ Immer noch spüre ich ein undefinierbares Zögern in ihrer Stimme.

„Nein, ich hatte keine Ahnung.“

„Ist es okay für Dich?“

„Ich wünschte, es wäre so einfach, wie Du es gerade schilderst“

So langsam glaube ich zu verstehen, woher das Zögern kommt, welches ich wahrnehme. Die Freundin ist sich meiner Reaktion nicht sicher.

„Fragst Du, weil Du denkst, dass ich darüber werten und richten werde?“ frage ich sie.

„Ich will wissen, ob es für Dich ein Problem darstellt. Für viele ist es so, wenn sie es erfahren“, antwortet sie immer noch zögerlich, ja fast schon ängstlich.

„Warum?“, frage ich. „Ich dachte, dass die Scientology hier eher anerkannt ist, als bei uns drüben. Gilt sie hier nicht als Religion?“

„Ich wünschte, es wäre so einfach, wie Du es gerade schilderst“, erwidert sie.

„Wie lange warst Du den dabei?“ frage ich. Nicht um neugierig zu sein, sondern um Interesse an ihrem Leben zu bekunden.

„Lange“, antwortet sie.

„Ehrlich gesagt, kenne ich nur die Scientologen, die auf der Straße Menschen ansprechen und Broschüren verteilen. … Zu meiner Studienzeit habe ich mich mal sehr lange mit einem Scientologen unterhalten, der mich in der Fußgängerzone angesprochen hat. Ich muss zugeben, dass es ein sehr interessantes Gespräch war. Nur, tendiere ich von Natur nicht dazu, irgendetwas anzugehören. Ich folge nicht gerne, aber inspirieren lasse ich mich von allem.“

„Du denkst eben differenzierter als viele andere Menschen“, gibt sie nachdenklich von sich.

„Danke. Vielleicht. Vielleicht der Vorteil, wenn man mit unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Sprachen aufwächst … und sicherlich auch grundsätzlich eine Offenheit in sich trägt.“

„Weißt Du, dies ist auch Kern von Scientology.“

„Unterschiede vereinen?“

„Ja.“

„Aber irgendetwas hat Dich trotzdem gestört?“

„Ja.“

„Was denn?“

„Es passierte etwas und ich stellte mir daraufhin viele Fragen. Da ich sie nicht beantworten konnte, stellte ich sie den anderen und die konnten sie mir auch nicht beantworten. Zumindest nicht so, dass ich mit den Antworten meinen Frieden schließen konnte.“

„Das war der Bruch?“

„Ja.“

„Die, die dich heute verurteilen, tun sie es, nur aufgrund der Scientology?“

„Ja … und natürlich positionsbedingt.“

„Welche Rolle spieltest Du denn?“

„Eine nicht unbedeutende.“

„Du stands also nicht auf der Straße und verteiltest Broschüren?“

„Nein, … ich war Lobbyistin.“

„Also ganz weit oben?! Sozusagen mittendrin?!“

„Genau.“

„Und Du konntest einfach so aussteigen?“

„Nein!“

Tragen wir Menschen wirklich die Lasten der Vergangenheiten mit uns herum …?

Wir wechseln das Thema, welches Jo-Jo-haft wieder zu uns zurückkehrt. Es erweckt den Anschein, dass die Freundin das Thema mal mit jemandem besprechen kann, der ihr ein Ohr schenkt. Warum auch nicht? Wer bin und was weiß ich wirklich, dass ich mir anmaßen kann darüber zu richten?

Kurz vor dem Haus angekommen fragt mich die Freundin, womit ich mich seit unserem letzten Treffen beschäftigte. Ein weiterer Versuch, das Thema Scientology von uns wegzuschieben.

„Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte ein irres Erlebnis“, berichte ich. „Eine Rückführung. Davon muss ich Dir berichten.“

„Wow, ich bin sehr gespannt, erzähl!“ fordert sie mich auf.

„Hast Du Erfahrungen mit Rückführung. Ich meine weißt Du wie das ist?“ frage ich, weil ich sonst der Freundin noch kurz erläutern würde, was ich da eigentlich von mir geben werde.

„Ja“, schmunzelt sie. „Viel Erfahrung. Weißt Du, dass ist Teil der scientologischen Praxis.“

Der Jo-Jo-Effekt. Da ist er wieder. Aber ich bin gespannt, was die Freundin zu berichten hat, den meine persönliche Rückführungserfahrung kenne ich ja nun bereits.

„Im Grunde genommen geht es darum, dass Du dich von den Lasten der Vergangenheit befreist. Nicht nur die Lasten dieses Lebens, sondern auch der vorherigen … “, erklärt sie.

„Welchen tieferen Grund hat dies in der Praxis?“ frage ich, ihre kleine Pause nutzend.

„ … Nun, es geht darum, dass du ein neues Leben beginnst. Frei von den Lasten, die dich immer beeinflussen in deinem tagtäglichen Handeln. Durch die Rückführung erhältst Du Informationen darüber, was Du noch an Last mit und in Dir trägst. … Aber jetzt erzähl erstmal von Deinem Erlebnis.“

Während wir ins Haus gehen, beginne ich mit meiner Geschichte. Es wird ein sehr schöner und vor allem extrem langer Nachmittag mit viel Gesprächsstoff, mittlerweile auch fern von Themen aus der Vergangenheit.

Später, als ich wieder zu Hause bin, hallt vieles noch in mir nach. Kannte ich das Leben und die Menschen in meinem Leben oder sah ich nur Fragmente? Ermöglichte mir meine offene Haltung, die ich gegenüber jedem Menschen zu pflegen versuche, den tatsächlichen Menschen zu sehen? Oder versperrten meine offene Haltung und Toleranz gegenüber andere die wahre Sicht auf die Menschen? Wo waren die Grenzen von Stärken und Schwächen, Gut und Böse, Richtig oder Falsch? Wer zog diese Grenzen, nach welchen Kriterien und/oder mit welchen Absichten?

Tragen wir Menschen wirklich die Lasten der Vergangenheiten mit uns herum, die es zu entledigen oder zu wandeln gilt? Ist es Ironie des Schicksals, dass ein Mensch in einer Bewegung, die sich von Altlasten befreien will, noch mehr Last in Form von Angst, Repressalien und Ablehnung in diesem Leben auf sich gezogen hat? Welche tatsächlichen Aufgaben hatte unser Dasein, unser Leben bis zum körperlichen Tod und unsere Seele, die anscheinend weitaus länger lebt als der Körper?

© Serap Yıldırım / 2019

Beitragsbild: Smart on Unsplash
Musik/Sounds für Audio:
https://www.zapsplat.com/music/calm-city-traffic-quiet-time-of-day-few-cars-pass-close-by-and-distant/
http://www.orangefreesounds.com/piano-music-relax-music-for-stress-relief/

31 Comments

  1. macalder02

    Si no fuera por los artistas famosos, llamase Cruise y Travolta, la ciencología pasaría desconocida para mí. Con tu encuentro y diálogo, tengo una idea más amplia de ella. Al final te encontraste con una serie de preguntas que toman un cariz muy filosófico de la vida. Tu narración es de la mejor y solo puse el audio para escuchar tu voz. Qué tengas lo mejor en tu semana.

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    1. mynewperspective

      Muchísimas gracias. Sí, los nombres famosos ciertamente hacen que este movimiento sea más conocido. Dependiendo del país y de la jurisdicción, las resonancias también son diferentes. Conseguí una pequeña visión – de segunda mano – a través de este amigo. Las preguntas al final pueden ser hechas por la gente en algún momento para sus propias vidas. Si hay una respuesta, lo dudo. Las respuestas que cada uno tiene para sí mismo ciertamente variarán.
      Gracias por su contribución. Muchos saludos.

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  2. macalder02

    Si no fuera por los actores famosos, Cruise o Travolta, sabría muy poco de la cienciología. Como siempre, tu crónica resulta muy interesante de lo bien que lo haces. Al final terminas con preguntas filosóficas que nos llevan a reflexión y revisión de la vida. Me encanta leerte. Lo disfruto. Saludos.

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    1. mynewperspective

      Muchas gracias de nuevo. Me conmueve saber que puedo compartir experiencias y pensamientos como estos con personas especiales como tú. Podemos crecer no sólo a partir de nuestra propia experiencia, sino también tratando seriamente los problemas de otras personas. Este es un intercambio especial, que siempre permite que nuevas perspectivas de la vida aparezcan bajo una nueva luz.

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  3. Reiner

    Selbst bin ich mit einer großen Bürde und unter einigen Schwierigkeiten hier auf Erden angekommen. Die kann ich unmöglich in diesem meinen Leben erworben haben, also hat es andere Gründe dafür, die ich nicht kenne. Ja, ich glaube, wir sind öfter hier … aber ich glaube auch, dass nur wir selbst uns von unseren Bürden befreien können, unter Führung und mit Hilfe unseres Schöpfers. Oft sind auch andere Menschen daran beteiligt, ja.

    Aber.

    Keine rituelle Vereinigung (erst recht keine Gewinnorientierte …), kein noch so ausgefeiltes Ritual, kein noch so hoch angesehener Guru vermag die Arbeit zu ersetzen, die hinter dieser Auflösung steht. Angefangen mit den Erkennen der meist schmerzhaften Zusammenhänge, das sich-eingestehen dessen hin zum langsamen und mühsamen „üben“ neuer, gesünderer Verhaltensweisen.

    Danke & liebe Grüße dir.

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    1. mynewperspective

      Ein Leben ohne Vergangenheit ist sicherlich nicht möglich, lieber Lu. Aber ein Leben ohne eine sehr belastende Vergangenheit ist wahrscheinlich eine sehr verlockende Version für fast jeden Menschen. Darum geht es bei diesen Praktiken vielleicht.
      Wir können alle nicht wissen, wie und was da praktiziert wird. Ein Therapeut mit einer Kassenzulassung macht vielleicht nichts anderes. Nur das es bei den einen okkultistischer und bei den anderen bodenständiger klingt. Nur wer beides sehr genau erlebt hat, kann uns wahrscheinlich den Unterschied differenziert deutlich machen.
      Auch ich denke, dass die Vergangenheit uns formt. Ich bin dankbar für meine. Vielleicht ist es auch die Attitüde zur Vergangenheit, die unsere Gegenwart leichter und schwerer gestalten lässt. Jeder Mensch ist da sicherlich anders und verfolgt die Ansätze, die für sie in dem Moment richtig erscheinen.
      Herzliche Grüße
      Serap

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        1. mynewperspective

          Schöner Text, jedoch kann ich da nur bedingt zustimmen. Das unser Leben hauptsächlich aus Vergangenheit besteht ist klar. Falls ich den Text richtige verstanden haben sollte, ist es mir etwas zu schwarzgemalt. Auch die Trivialität unserer Gegenwart und unserer Zukunft wird zur Vergangenheit. Daher erscheint mir der Text an der Stelle zu überzogen. Es erweckt auch auf mich den Anschein, dass nichts veränderbar ist. Wenn dies so gemeint sein sollte, dann kann ich dem nicht zustimmen. Das nicht alles veränderbar ist in Systemen (auch der Mensch an sich als System) ist mir bewusst, aber ich verstehe den Text so, als ob die einzige Macht „nur“ in der Vergangenheit liegt und nicht formbar in Gegenwart und für die Zukunft ist. Doch genau diese Formbarkeit ist auch Macht, die ebenfalls zur Vergangenheit wird oder eben auch immer aktiv in der Gegenwart bleibt.

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          1. finbarsgift

            Das „Problem“ mit der Vergangenheit ist, dass es eigentlich nur sie gibt, denn die Zukunft gibt es (noch) nicht, und die Gegenwart ist in einem Tick vorbei, sobald sie einen Tick im hier und jetzt da war …

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          2. mynewperspective

            Hm, dazu gibt es auch unterschiedliche Meinungen, lieber Lu. Gibt es nicht auch Befürworter, die die Gegenwart als die einzig real existierende Zeit ansehen? Wie schon geschrieben, mir fehlte die Vielschichtigkeit zu diesem Thema im Text, obwohl ich den Ansatz grundsätzlich sehr interessant fand.
            Herzliche Grüße
            Serap

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          3. finbarsgift

            Ich hätte auch zuoberst schreiben können, liebe Serap, wie kann eine Vergangenheit verhängnisvoll sein, da sie doch vor allem und zunächst ja mal verhängnisvolle Gegenwart war… aber als solche währenddessen womöglich noch nicht mal erkannt wurde?!
            Herzliche Morgengrüße vom Lu

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          4. mynewperspective

            Den Titel gab ich vor allem, weil es mir um die Rückführungen (in nicht mehr aktuelle Leben) ging, lieber Lu.
            Die Theorie des von Dir verlinkten Textes bezweifle ich nicht. Ich denke nur, dass es auch andere Ansätze gibt, die ich genauso befürworten kann … und somit gibt es bei diesem Thema nicht nur einen absoluten Ansatz für mich.
            Herzliche Grüße
            Serap

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        2. gkazakou

          Ich habe dort kommentiert, wiederhole den Kommentar hier für evtl Interessierte:

          Also: ich verstehe den Text als ironisch. Das Klingeln des Telefons – die Gegenwart bricht ein! – macht all die schönen vorbereiteten Sätze zunichte. Insofern ist die Gegenwart alles andere als trivial. In ihr wird der Fortgang bestimmt – das Wachstum oder die Zerstörung des Korallenriffs bzw das Menschheit.

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  4. Jules van der Ley

    Vielen Dank für diese Geschichte, liebe Serap. Was wir sind, ist das Ergebnis eines unwägbaren Konglomerats aus Anlagen, Erziehung, Umweltprägungen, frühkindlichen Erfahrungen usw. Keiner durchschaut diese Einflüsse. Da macht es so gut wie keinen Unterschied, weitere Einflüsse hinzuzudichten, solche aus angeblich vorherigen Leben. Den Menschen davon und mehr zu befreien, bieten gewisse Heilslehren gegen Geld an. Wenn es nötig wäre, hätte da nicht die Evolution jedem einen scientologischen Zwilling oder einen Psychotherapeuten an die Seite stellen müssen? Ich glaube, dass der Mensch mit allem Nötigen ausgestattet ist, das ihm hilft, ein normales Leben zu bewältigen. Er muss nur lebenswerte Bedingungen vorfinden.

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    1. mynewperspective

      Sehr interessante Fragen, die Du da stellst, lieber Jules. Musste mich mit meiner Tasse Tee erst einmal anlehnen und darüber nachdenken.
      Grundsätzlich stimme ich Dir zu, jedoch gibt es ein aber … Dieses „aber“ basiert auf persönliche Erfahrungen, die nicht immer im Einklang mit dem stehen, was Du geschrieben hast. Daher ist es eine Zustimmung unter Vorbehalt bzw. ein „Ausnahmen bestätigen die Regel“.
      Was die Heilslehre gegen Geld anbetrifft, bin ich der Meinung, dass auch hier die seriöse / unseriöse Praxis den Unterschied macht. In der Form, wie es von der Freundin geschildert und von mir verstanden wurde, sind bei mir die Grenzen weit überschritten. Daher meine volle Zustimmung.
      Ob ein Mensch immer lebenswerte Bedingungen vorfindet und was überhaupt lebenswerte Bedingungen sind, ist sicherlich auch schwierig zu beantworten. Wie unterschiedliche Menschen auf gleiche Bedingungen reagieren auch. Daher auch da meine Überlegung, ob man dies pauschalisieren kann.
      Grundsätzlich denke ich jedoch, dass der Mensch tatsächlich mit dem nötigen ausgestattet ist, das ihm helfen kann. Ob er jedoch gelernt hat, an diese innere Kraft heranzukommen, wäre ebenfalls eine Frage, die ich mir stelle. Vielleicht ist genau dies der Punkt, wo andere ins Spiel kommen, ob nun auf seriöse oder unseriöse Art und Weise.
      Vielen Dank für den Gedankenanstoß … dies ist meine erste Reaktion darauf, aber ich merke schon, dass es mich noch weiter beschäftigen wird.
      Sei herzlich gegrüßt
      Serap

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  5. gkazakou

    Ein sehr schöner Text und Vortrag, ich habe es genossen.
    Deine Fragen… – eine fehlt mir: Was passierte, so dass die Freundin anfing, Fragen zu stellen, auf die sie keine Antworten erhielt?
    Deine anderen Fragen: Ich finde den Ausdruck nicht richtig, dass wir „die Lasten der Vergangenheit“ tragen, sondern wir tragen die gesamte Menschheitsvergangenheit in uns, und zwar in der bestimmten Ausformung als unsere persönliche. Das Leid der Vergangenheit lässt sich nicht ablegen wie ein Mantel, unter dem dann das glänzende goldene Prinzessinnenkleid zum Vorschein kommt. Denn eins und das andere sind ineinander verwoben, bedingen sich gegenseitig. Man kann nur das Ganze haben – oder nichts. Tabula rasa – so wie es Naturwissenschaft uns glauben machen will.
    Für deine Freundin war es nicht „Ironie des Schickals“, sondern ein Weg, den sie für sich gefunden hat, um sich dieser Vergangenheit zu stellen – genauso wie es ihr Weg war, sich dann davon zu trennen. ich nehme an, sie hat auf ihrem Weg viel gelernt, das auch für andere Menschen (zB für dich) von Bedeutung werden kann – nicht als Warnung und Abschreckung, sondern als Erfahrungsweg. Ohne diese Erfahrungen wäre sie ja nicht, was sie ist. Wünschenswert wäre, die Spreu vom Weizen zu trennen, was möglich ist, wenn man nicht verdrängt, sondern sorgfältig drischt, was einem als Erfahrung zugekommen ist.
    Und das ist ja vielleicht auch die Aufgabe unseres kurzen Erdendaseins: Weizen zu gewinnen, um daraus das tägliche Brot zu backen. Und die Spreu den Vögeln zu lassen…

    Gefällt 2 Personen

    1. mynewperspective

      Vielen Dank, liebe Gerda.
      Was genau damals (inhaltlich) passierte, wurde von mir nicht hinterfragt. Interessant fand ich ihre persönliche Entwicklung, die die Fragen aufkommen ließen, die anscheinend vorher nicht gestellt wurden.
      Die „Befreiung“ von der Vergangenheit kann ich mir (mit welcher Praxis auch immer) nicht vorstellen. Meines Erachtens geht es auch gar nicht um das komplette Ablegen an sich, sondern mit dem nicht mehr belastenden Umgang für die Zukunft. Aber dies ist nur meine Vorstellung / Interpretation des Ganzen.
      Vielleicht konnte ich es nicht deutlich in meinem Text hervorbringen, jedoch war mit „Ironie des Schicksals“ gemeint, dass sie sich in diesem Leben eine Vergangenheit aufgebaut hat, die aktuell noch davon geprägt ist, Repressalien zu erfahren.
      Beeindruckend finde ich jedoch ihre Entwicklung und mit welcher Stärke sie ihren Weg geht, der wirklich nicht einfach ist.
      Herzliche Grüße
      Serap

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      1. gkazakou

        Danke. interessant deine Erklärung für „Ironie des Schicksals“. Vielleicht darf ich es so verstehen: aus früheren Leben ist ihr eine Aufgabenstellung erwachsen,der sie sich in diesem Leben stellen wollte: wie kann ich mehr persönliche Freiheit und Selbstbestimmtheit erlangen. Durch ihr Engagement bei Scientology meinte sie, das zu erreichen, bis sie merkte, dass es ein Holzweg war. Um ihrer selbst gestellten Aufgabe gerechtzuwerden, musste sie dort aufhören. Jetzt ist ihre Aufgabe klarer umrissen: Wie gehe ich mit Repressalien um und lasse ich mich dadurch nicht von meinem Weg in Richtung auf mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit abbringen, .

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        1. mynewperspective

          So, oder so ähnlich stelle ich es mir vor, liebe Gerda. Ob es so ist, wird wohl niemand wirklich wissen. Aber auch ein Holzweg ist ein Weg. Wie sagte Edison so schön: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“

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  6. Susanne Haun

    Liebe Serap,
    danke für das Teilen deiner Gedanken und das Gespräch mit deiner Freundin.
    Ich werde über Rückführung nachdenken. Ich bin ein Kriegsenkelkind und ich merke oft, wie die Ängste meines Vaters von mir Besitz ergreifen.
    Ich habe es als sehr schwer empfunden, mich von den moralischen und sozialen Vorstellungen meiner Eltern zu entfernen. Jeder möchte, von den Eltern geliebt werden und sich gegen die Vorstellungen der Eltern zu stellen ist deshalb schwierig. Mein Vater sagte mir vor Jahren, ich bin seine Tochter und er würde mich immer lieben, egal, wie ich mein Leben gestalte.
    Das war ein Geschenk von Vater zu Tochter und ich hole mir diesen Satz oft in Erinnerung.
    Einen schönen Tag und liebe Grüße von Susanne

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    1. mynewperspective

      Liebe Susanne,
      vielen Dank für das Teilen Deiner Gedanken.
      Jeder Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen im Leben und ich denke, dass jede Person für sich Wege finden sollte, wie er/sie am besten damit umgeht. Eine Rückführung kann ein Werkzeug dafür sein. Meine erste Rückführung „Reise in ein früheres Leben“ findest Du auch auf dem Blog. Die Sätze Deines Vaters haben mich sehr an die Geschichte erinnert.
      Folge Deinem Gefühl, es könnte eine Möglichkeit sein, um neue Erkenntnisse zu erlangen und Dinge Deines Lebens neu zu ordnen. Auf jeden Fall wünsche ich es Dir von ganzem Herzen.
      Sei herzlich gegrüßt
      Serap

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      1. Susanne Haun

        Danke für deine Hinweise, liebe Serap.
        Leider finde ich deinen Blogbeitrag „Reise in ein früheres Leben“ nicht. Hast du eine Suchfunktion auf deinem Blog? Kannst du mir einen Link senden? Ich würde den Beitrag gerne hören. Ich mag die Startseite deines Blogs, sie ist sehr gut erfassbar und die Unterteilung in Zitate, Musik und gesprochene Beiträge ist gut zu sehen.
        Einen schönen Tagesbeginn wünscht dir Susanne

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        1. mynewperspective

          Liebe Susanne,
          den Beitrag findest Du unter https://mynewperspective.site/2018/04/03/reise-in-ein-frueheres-leben/ … fals nicht schon entdeckt. Die Geschichte hatte ich auch im Text verlinkt. Die Verlinkungen im Text auf meiner Seite sind dann farblich immer etwas anders.
          Eine Suchfunktion gibt es tatsächlich nicht auf dem Blog. Vielleicht habe ich sie nicht eingestellt oder sie existiert layoutbedingt gar nicht.
          Vielen Dank auch für die Rückmeldung zur Startseite. Für die wenigen Kategorien, die ich habe ist es ein klares und helles Layout. Sie gefiel mir damals als besten für den (bisherigen) Zweck des Blogs.
          Dir noch einen schönen Freitag und ein gutes Wochenende.
          <3-liche Grüße
          Serap

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          1. Susanne Haun

            Liebe Serap,
            da ich deine Beiträge immer höre, fallen mir die Links in deinem Text gar nicht auf 😉 aber nun weiss ich es ja 🙂
            In Berlin scheint die Sonne 🙂 und das macht gleich gute Laune.
            Liebe Grüße und einen schönen Wochenbeginn von Susanne

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          2. mynewperspective

            Liebe Susanne,
            das erklärt es natürlich. 🙂
            Aber nicht in jedem Text ist auch ein Link zu finden. Hier machte es Sinn und ich hoffe, Dir hat die Rückführungsgeschichte gefallen.
            Auch in Hamburg scheint zeitweilig sie Sonne und mit der besonderen Energie des Tages sende ich Dir herzliche Grüße nach Berlin
            Serap

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  7. kormoranflug

    Aus meiner Sicht ist Dein Text nur ein Auszug einer Roman-Geschichte. Über Deine Rückführung erfahren wir ja nichts.
    Eine Scientologin gibt normal nichts über sich preis.
    Rückführungen kenne ich aus der psychologischen Arbeit – eine schwierige meist esoterisch angehauchte Behandlung – möglichst nur von sehr erfahrenen Therapeuten anzuwenden in einer Langzeitbehandlung.

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    1. mynewperspective

      Meine persönlich Rückführungserfahrung ist vor langer Zeit auf dem Blog veröffentlicht worden, lieber Tom und ich habe sie daher im Text verlinkt und sah nicht den Anlass es nochmal aufzurollen.
      Warum Scientologen nichts über sich preisgeben sollten, verstehe ich nicht. Sogar berühmte Schauspieler (z. B. Leah Remini) gab ihr Austreten ganz öffentlich bekannt, um nur einen Namen zu nennen. Wenn ich den Namen der Freundin heute Google, finde ich reichlich Informationen auf den sozialen Medien über sie. Es war und ist also kein Geheimnis. Auch hat sie mir nichts erzählt, was man über Scientology auch selbst im Netz erfahren kann.
      Was meine persönliche Erfahrung zur Rückführung betrifft, saß ich weder beim Therapeuten, noch war es esoterisch – zumindest nicht für mich. Es war wie eine Art Traum bzw. ein Film, der sich abspielte während ich in einem hypnoseähnlichen Zustand war. Der einzige Beweis, warum ich weiß, dass es eine Rückführung war, ist, dass ganz klare Bewusstsein, dass mit dieser Erfahrung kam, dass dies nicht „geträumt, erdacht, halluziniert, etc.“ wurde, sondern ganz klar ein früheres Leben war. Vor dieser Art von Erfahrung hätte ich selbst große Schwierigkeiten gehabt, es zu verstehen. Jetzt bin ich um eine Erfahrung reicher.
      Herzliche Grüße
      Serap

      Gefällt 1 Person

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