Der schönste Tag in meinem Leben

Ein herrlicher Sommertag. Morgens freue ich mich bereits auf das Treffen mit einem Freund, welches für den Mittag geplant ist. Schon seit Monaten haben wir uns nicht gesehen, zu erzählen gibt es wieder eine ganze Menge. Dann empfange ich eine SMS. Eine Freundin ist am späten Nachmittag in der Stadt und besucht eine Autorin bei ihrer Signierstunde. Ich solle unbedingt vorbeischauen und sie in der Buchhandlung treffen. Schnell sage ich zu und meine Freude verdoppelt sich. Noch ahne ich nicht, mit welch besonderer Bedeutung dieser Tag für mich behaftet sein wird – auch noch viele Jahre später.

Pünktlich holt mich der Freund ab und wir entschließen uns gemeinsam einen Strandspaziergang vorzunehmen. Angekommen am Wunschort, ziehen wir unsere Sandalen aus und gehen durch den angenehm warmen Sand Richtung Meer. Die sehr fließende und intensive Konversation genießend, schlendern wir am erfrischend kühlen Wasser entlang und finden ein Gesprächsthema nach dem anderen.

Irgendwann unterhalten wir uns darüber, was passiert, wenn man seiner inneren Stimme folgt. Der Freund erzählt von seinem ehemaligen Angestelltenverhältnis, das ihm monatlich inklusive Kommission ein ordentliches Gehalt einbrachte. Dann entschied er sich, sich als Musiker selbstständig zu machen und nach kürzester Zeit verdoppelte sich sein Einkommen. Teilweise verdreifachte es sich sogar, je nach Saison. Er gibt zu, dass er jetzt keine festen Arbeitszeiten mehr hat und auch länger am Tag arbeitet. Auf der anderen Seite jedoch, sieht er seine Arbeit nicht mehr als Arbeit an, sondern als etwas, was er wirklich sehr gerne ausübt und es mit Freude verbindet.

Wir reden darüber, wie es ist, wenn nicht der monetäre Aspekt im Vordergrund steht, sondern das Empfinden für die Aufgaben, die man erledigt. Selbstverständlich sehen wir beide, dass das Finanzielle eine entscheidende Rolle in der Welt, in der wir leben, spielt, nicht aber immer die entscheidende Rolle sein muss. Thema ist ebenfalls, dass unsere innere Stimme, unsere Intuition oder wie immer wie sie auch nennen mögen, uns stets den richtigen Weg zeigt … auch wenn gewisse Entscheidungen anfänglich weder für Außenstehende, ja sogar für uns selbst nicht wirklich mit dem Verstand greifbar sind und erst meistens im Nachhinein einen Sinn ergeben.

Wir beide steigen in eine tiefe Konversation über Gott und die Welt ein.

Mit diesen und weiteren Erkenntnissen, Inspirationen und Denkanstößen setzt mich der Freund nach ein paar Stunden wieder zu Hause ab und ich bereite mich schon geistig auf das nächste Treffen vor. Eine halbe Stunde später schwinge ich mich auf mein Fahrrad und radle circa 20 Minuten Richtung Buchhandlung. Den leichten Gegenwind nutze ich, meine Gedanken über die Themen am Mittag wegpusten zu lassen, damit ich aufnahmebereiter für den Rest des Tages bin. Denn die Konversation mit dem Freund war so intensiv und bedeutungsgeladen, dass ich es nicht schnell von mir abschütteln kann.

Da ich – wie so oft – überpünktlich am Treffpunkt bin, nutze ich die Gelegenheit, in der Buchhandlung herumzustöbern, bis meine Freundin erscheinen wird. Die Vorbereitungen für das Event laufen noch und ich schnappe mir das Buch, um das es heute gehen wird, und blättere drin herum. Die Autorin ist mir unbekannt. Naja, fast. Am Abend zuvor war sie Gast in der Radiosendung der Freundin und hat über sich und über ihr erstes Buch gesprochen. Dies war das erste Mal, dass ich von ihr gehört habe.

Angels in My Hair. Der Titel klingt verlockend. Ich kaufe das Buch. Dann stöbere ich weiter in der Buchhandlung bis sich nach und nach die Räumlichkeiten mit den Gästen füllen, die extra für die Autorin Lorna Byrne gekommen sind. Ich, ich warte weiter auf meine Freundin.

Irgendwann erscheint sich auch. Die Freundin. Die Signierstunde ist schon in Gange. Die Gäste stehen Schlange und auch die Freundin und ich reihen uns ein, auch wenn ich es nur tue, weil die Freundin es tut. Wir beide steigen in eine tiefe Konversation über Gott und die Welt ein. So tief, dass wir sehr lange nicht bemerken, dass wir uns keinen einzigen Zentimeter in der Schlange vorwärtsbewegt haben. Wir stehen noch genau an dem Punkt, wie vor … keine Ahnung wie lange. Zumindest lange genug, dass alle anderen nach uns angekommenen Gäste sich in die Schlange gestellt haben und das Ende dieser mittlerweile weit von uns entfernt ist.

Lachend stellen wir uns nun wieder als die letzten Gäste in die Schlange und bewegen uns diesmal auch langsam vorwärts mit. Dies ist keine übliche Signierstunde. Die Autorin sitzt in einem Sessel und empfängt jeden Gast im Sessel gegenüber und unterhält sich ausgiebig mit ihnen. Dann rückt die nächste Person nach. Beinahe drei Stunden vergehen und die Freundin und ich unterhalten uns in dieser Zeit über fast dieselben Themen, die ich mittags bereits mit dem Freund geführt habe.

Da die Vertrauensbasis mit meinem Gegenüber aufgebaut ist, erzähle ich kurz von meinem wichtigen Schritt im Leben, nämlich in ein anderes Land zu ziehen, lediglich meiner inneren Stimme folgend.

Wieder ist die innere Stimme das Top Thema. Wir beide erzählen uns gegenseitig von den Dingen im Leben, die wir gemacht haben, ohne dass wir es selbst mit dem Verstand hätten erklären können. Alle diese Aktionen, der inneren Stimme folgend, hatten einen tieferen Sinn in unserem Leben und bei einigen Begebenheiten warteten wir noch darauf, wo es uns hinführen wird. Einig waren wir uns, dass es sich immer gut anfühlt, dieser Stimme zu folgen, auch wenn wir nicht immer wissen, wohin es uns hinführen wird.

Als wir mittlerweile als die letzten Personen in der Schlange übrigbleiben, gibt mir die Freundin den Vortritt und will sich in der Zwischenzeit mit der Agentin unterhalten. Da ich gar nicht vorhatte, mit der Autorin zu sprechen, weiß ich zuerst nicht, was ich machen soll. Gezwungenermaßen setze ich mich in den gemütlichen Sessel, gegenüber von Lorna Byrne und Grüße sie zögerlich. Sie grüßt mit einer zärtlichen Stimme zurück.

Nicht wissend, wie ich anfangen soll, fühle ich mich leicht unwohl in meiner Haut. Ich kenne weder die Autorin, noch habe ich das Buch gelesen. Das Radiointerview vom Abend davor, bringt mich in der lieblichen Panik, die ich verspüre, auch nicht gerade weiter. Alle anderen vor mir hatten lange Konversationen mit ihr und ich habe nicht einmal eine einzige Frage, die ich stellen könnte. Aber sie. Meine Gesprächspartnerin eröffnet das Gespräch mit der Frage, seit wann ich hier leben würde, denn die Engel hätten ihr gesagt, dass ich erst kürzlich von Übersee zugezogen sei. Mit ein wenig Verwunderung beantworte ich ihre Frage und möchte von ihr wissen, ob die Engel ihr alles erzählen würden.

„Sie erzählen mir, dass sie sich heute mit einem Freund getroffen haben“, erwidert sie.

„Ok, sie erzählen sie Ihnen wirklich eine Menge“, lache ich.

Da die Vertrauensbasis mit meinem Gegenüber aufgebaut ist, erzähle ich kurz von meinem wichtigen Schritt im Leben, nämlich in ein anderes Land zu ziehen, lediglich meiner inneren Stimme folgend. Ich berichte, dass ich selbst noch recht überrascht bin über diese Entscheidung. Auch erzähle ich, dass ich jetzt auf der Suche nach einem passenden Job bin. Meine Gesprächspartnerin hört mir aufmerksam zu und lässt mich wissen, dass ich noch sehr viele Jobs in meinem Leben haben werde, bevor ich den Job finde.

„Hauptsache, es dauert nicht zu lange“, entgegne ich Hoffnung hegend.

Meine Gesprächspartnerin schweigt lächelnd.

… ich fühle sanft ihren Daumen auf meiner Haut, der zwischen meinen Augenbrauen ein Kreuz zeichnet.

Weiter in dem Gespräch erfahre ich, dass es ganz besondere Gründe gibt, warum ich bestimmte Menschen in meinem Leben auf ‚wundersame‘ Art und Weise getroffen habe und das sich die eigentliche Bedeutung mir später eröffnen wird. Ohne auch nur irgendeine Frage stellend, empfange ich die Nachrichten aus dem Engelsreich übermittelt durch Lorna Byrne. Nicht einmal im Geringsten empfinde ich ein neugieriges Verlangen, das nach Detailinformationen schreit. Eine Dankbarkeit steigt in mir auf, denn ich hatte nichts erwartet und so viel geschenkt bekommen.

Zum Abschluss fragt mich Lorna Byrne, ob sie für mich beten darf. Dieses weitere Geschenk nehme ich danken an. In der Stille des Gebetes verbinde ich mich im Herzen mit meiner Gesprächspartnerin. Danach beugt sie sich leicht zu mir rüber und ich fühle sanft ihren Daumen auf meiner Haut, der zwischen meinen Augenbrauen ein Kreuz zeichnet. Ein ‚Amen‘ fließt leise aus ihrem Mund heraus und ihr warmer Atem streichelt mein Gesicht. Dieser Augenblick ist wie eine Berührung mit dem Himmelstreich.

Als ich am Abend in meinem Bett liege, spule ich den Tag innerlich wieder an den Zeitpunkt zurück, wo meine Konversation mit dem Freund begann. Über den Austausch mit ihm nachdenkend, fühle ich, dass das Folgen der inneren Stimme uns auf dem direkten Wege an das Wunschziel bringen kann. Langsam taste ich mich danach gedanklich zum tiefen Gespräch mit der Freundin vor und spüre nach, was mich zu der Erkenntnis bringt, dass der Sinn der inneren Stimme zu folgen, uns manchmal erst Jahre später erschließen kann. Meine Gedanken schließen mit dem himmlischen Dialog mit Lorna Byrne ab, die mir zeigen, dass der Weg der inneren Stimme auch mal ein Umweg sein kann und nicht immer gradlinig, wie bei dem Freund und trotzdem der richtige Weg ist.

Eins steht für mich ganz fest: Dies ist der schönste Tag in meinem Leben. Mein Gefühl ist mein Zeuge. Auch wenn ich spüre, dass ich vieles davon nicht wirklich mit dem Verstand begreifen kann, fühle ich, dass die Erkenntnisse dieses Tages auch noch Jahre später nachschwingen und mein Leben beeinflussen werden. Die Ausbeute des Tages ist so kostbar, dass ich lebenslang lang davon profitieren kann. Und während mein Verstand sich für einen kurzen Moment meldet und gerade dabei ist vieles infrage stellen zu wollen, wird er von meiner inneren Stimme sanft aber bestimmt zurückgehalten. Mit der Klarheit, dass sich die Schönheit und die Bedeutung der Konversationen des heutigen Tages im Laufe der Jahre immer mehr und mehr entfalten wird, falle ich mit der Fülle an Erkenntnissen in meinem Körper in einen wohlverdienten Schlaf.

***

In den Jahren darauf, werde ich zu ganz bestimmten Zeiten in meinem Leben, immer wieder völlig zufällig, aber sehr bewusst an diesen Tag erinnert. Mittlerweile kann sich nicht einmal mehr mein Verstand dem entziehen, meiner inneren Stimme und den Himmelsbotschaften von damals recht zu geben.

© Serap Yildirim / 2018

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Beitragsbild: Photo by Daiga Ellaby on Unsplash

 

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